Fazit: Beim Flat Coated Retriever ist die 14-bp-Deletion im POMC-Gen in britischen Stichproben eher die Regel als die Ausnahme: Unter 96 nicht verwandten Flats ermittelte die Universität Cambridge 2016 eine Allelfrequenz von 60 %, 39 % der Hunde trugen zwei Kopien. Jede Kopie ging mit rund 1,86 kg mehr Körpergewicht und 7,4 % höherer Futtermotivation einher; eine Folgestudie von 2024 bestätigte das und maß bei reinerbigen, schlanken Flats einen um etwa 25 % niedrigeren Energieverbrauch in Ruhe. Die Deletion ist ein Risikofaktor, keine Krankheit – sie macht keinen Hund zwangsläufig dick, und in einer britischen Labrador-Studie fand sich kein Zusammenhang mit Diabetes. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt es keine veröffentlichten Häufigkeiten. Den Test bietet etwa LABOKLIN (63,00 € inkl. MwSt., Stand Juli 2026) an; ob ein Hund zu viel wiegt und wie er abnehmen soll, beurteilt die Tierärztin oder der Tierarzt anhand des Body Condition Score (BCS).
- Betteln trotz vollem Magen? Was β-MSH und β-Endorphin mit dem Futtertrieb zu tun haben
- Mehrheit statt Ausnahme: wie verbreitet die Deletion unter britischen Flats ist
- Pro Kopie mehr Gewicht und mehr Futtermotivation: die Flat-Messungen von 2016 und 2024
- Weniger Energieverbrauch in Ruhe: die Kalorimetrie an 19 schlanken Flats
- Warum POMC allein das Gewicht eines Retrievers nicht erklärt
- Den Test in Auftrag geben: welche Labore den Flat führen und was sie berechnen
- Der Befund betrifft den Napf, nicht die Zuchtzulassung: wie die Retrieverclubs damit umgehen
- Angemessen ernähren: was Tierschutzrecht und Tierarztpraxis aus der Neigung machen
- Futtermittelberatung im 75-Euro-Vorsorgetopf, DNA-Test ausgeschlossen: was Tierkrankenversicherer erstatten
- Häufige Fragen
- Verwandte Artikel
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Betteln trotz vollem Magen? Was β-MSH und β-Endorphin mit dem Futtertrieb zu tun haben
Das Gen POMC (Pro-Opiomelanocortin) liegt beim Hund auf Chromosom 17 (NCBI Gene 403659). Es liefert ein Vorläuferprotein, aus dem der Körper mehrere kleine Botenstoffe herausschneidet: das Stresshormon-Signal ACTH, das α-MSH, das β-MSH und das β-Endorphin. Mehrere dieser Peptide wirken im Gehirn auf den Melanocortin-Signalweg, der Hunger und Energiehaushalt mitsteuert.
Die Arbeitsgruppe um Eleanor Raffan und Stephen O’Rahilly an den Metabolic Research Laboratories der Universität Cambridge suchte 2016 bei 15 stark übergewichtigen und 18 schlanken Labradoren gezielt in drei Kandidatengenen dieses Signalwegs nach Veränderungen. In POMC fanden sie eine Lücke von 14 Basenpaaren: Zehn der 15 dicken Hunde trugen sie, aber nur zwei der 18 schlanken. Die Lücke verschiebt das Leseraster. Die Folge: β-MSH und β-Endorphin werden voraussichtlich nicht mehr gebildet, während der vordere Abschnitt mit ACTH und α-MSH unberührt bleibt. Die Studie erschien in Cell Metabolism und ist frei im Volltext verfügbar.
Wissenschaftlich interessant ist das, weil Mäuse und Ratten von Natur aus kein β-MSH bilden, Hunde und Menschen aber schon. Ein Retriever ohne β-MSH zeigt daher etwas, das Nagetierversuche nicht abbilden können.
Zur Schreibweise: Laborseiten und die Datenbank OMIA 001258-9615 verwenden eine positionsbasierte Nomenklatur, deren Zählung nicht wörtlich „14 bp“ ergibt. Wir bleiben bei der Beschreibung der Originalstudie und verzichten auf Koordinaten, weil sich die Zählweisen zwischen Quellen unterscheiden.
LenaFehlt meinem Hund dann einfach das Gefühl, satt zu sein? Jonas ReuterLaut dem Cambridge-Versuch von 2024 eher nicht: Beim Fressen nach Belieben nahmen Träger nicht mehr auf. Stärker war ihr Verlangen nach Futter, das sie nicht erreichen konnten.Getestet wurde dieser Unterschied zwischen „Wollen“ und „Sattsein“ allerdings an Labradoren, nicht an Flats.
Mehrheit statt Ausnahme: wie verbreitet die Deletion unter britischen Flats ist
Nachdem die Deletion bei Labradoren gefunden war, prüfte die Cambridge-Gruppe Hunde aus 38 weiteren, bewusst verschiedenen Rassen. In keiner davon tauchte sie auf – mit einer Ausnahme: dem Flat Coated Retriever. Die polnische Arbeitsgruppe um Marek Świtoński an der Universität für Lebenswissenschaften Posen fand sie 2017 bei Golden Retrievern, Beagles und Cocker Spaniels ebenfalls nicht. Labradoodles stehen zwar auf den Rasselisten mancher Labore; eine eigene Studie zu ihnen ist uns nicht bekannt.
In beiden Retrieverrassen sind die genetischen Marker rund um die Deletion identisch. Die Autorinnen und Autoren deuten das als gemeinsamen Ursprung: Labrador und Flat gehen beide auf den ausgestorbenen St.-John’s-Wasserhund aus Neufundland zurück. Die Variante dürfte also aus einer gemeinsamen Ahnenlinie stammen und nicht zweimal unabhängig entstanden sein.
Auffällig sind die Zahlen. Für die Häufigkeitsschätzung genotypisierte die Gruppe 96 nicht miteinander verwandte britische Flats:
| Stichprobe (Raffan et al. 2016) | ohne Deletion | eine Kopie | zwei Kopien | Allelfrequenz |
|---|---|---|---|---|
| 96 nicht verwandte Flat Coated Retriever (UK) | 32 % | 29 % | 39 % | 60 % |
| 383 Labrador-Familienhunde (UK) | 78 % | 20 % | 2 % | 12 % |
| 81 Labradore aus der Zucht für Assistenzhunde (UK) | 23 % | 64 % | 12 % | 45 % |
Zwei Begriffe sollte man auseinanderhalten. Die Allelfrequenz zählt Genkopien: Von allen Kopien des Gens in der Flat-Stichprobe trugen 60 % die Deletion. Der Trägeranteil zählt Hunde: Mindestens eine Kopie hatten 29 % plus 39 %, also 68 % der Flats. Beim Labrador-Familienhund liegt die Allelfrequenz bei 12 %, der Trägeranteil bei rund 22 %. Beim Flat ist die Allelfrequenz damit etwa fünfmal so hoch. Die Verteilung unter den Flats wich zudem vom Hardy-Weinberg-Gleichgewicht ab (p = 0,01) – ein Hinweis, dass Zuchtgeschichte oder Auswahl die Häufigkeiten verschoben haben könnten; eine Ursache benennt die Studie für den Flat nicht.
Wichtig für Halter in Mitteleuropa: Alle diese Werte stammen aus Großbritannien (beim Labrador ergänzt um 28 Hunde aus den USA mit gleicher Allelfrequenz). Für Flats in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist keine Häufigkeit veröffentlicht. Ob deutsche Linien ähnlich, häufiger oder seltener betroffen sind, lässt sich aus den britischen Daten nicht ableiten. Die Rasse ist hierzulande klein: Laut VDH-Welpenstatistik fielen 2025 in den VDH-Mitgliedsvereinen 401 Flat-Welpen, nach 473 im Jahr 2024 und 545 im Jahr 2022.
Pro Kopie mehr Gewicht und mehr Futtermotivation: die Flat-Messungen von 2016 und 2024
Ob die Deletion beim Flat tatsächlich mit dem Körpergewicht zusammenhängt, prüfte die Cambridge-Gruppe 2016 an 200 weiteren Flats. Pro Kopie wogen die Hunde im Mittel 1,86 kg mehr (das entspricht 0,33 Standardabweichungen, p < 0,0001). Die Futtermotivation, erfasst über einen standardisierten Halterfragebogen, lag pro Kopie um 7,4 % höher. Einen BCS hatten die Forschenden für die Flats 2016 nicht.
Bei den Labradoren derselben Arbeit fielen die Werte ähnlich aus: plus 1,90 kg, plus 0,48 Punkte auf der 9-stufigen BCS-Skala und plus 9,9 % Futtermotivation je Kopie, bereinigt um Alter, Geschlecht, Kastrationsstatus und Fellfarbe. Die Autorinnen und Autoren verglichen die Größenordnung mit der bekanntesten Übergewichtsvariante des Menschen im Gen FTO: Der Effekt pro Kopie beim Hund sei mehr als dreimal so groß. Bemerkenswert fanden sie das gerade deshalb, weil beim Hund nicht das Tier selbst, sondern der Mensch über Futter und Bewegung entscheidet.
LenaEine Studie kann ja auch Zufall sein. Hat jemand die Flat-Ergebnisse überprüft? Jonas ReuterJa, dieselbe Gruppe 2024 an einer neuen Flat-Kohorte in Science Advances. Beim Gewicht war der Effekt etwas kleiner als 2016, bei der Futtermotivation etwas größer – beides in dieselbe Richtung und signifikant.Die Replikation von Dittmann und Kollegen (2024) arbeitete mit drei teils unterschiedlich großen Gruppen britischer Flats, weil nicht für jeden Hund alle Angaben vorlagen:
| Merkmal (Flats, Replikation 2024) | Effekt je Kopie | Hunde | p-Wert |
|---|---|---|---|
| Body Condition Score (9-stufig) | +0,2 Punkte | 221 | 0,006 |
| Körpergewicht | +1,3 kg | 218 | 0,001 |
| Futtermotivation (Halterangabe) | +10 % | 180 | 6,3 × 10⁻⁶ |
Zum Vergleich nennt dieselbe Publikation für Labradore rund 0,5 BCS-Punkte je Kopie. Beim Flat verschiebt die Deletion den Körperzustand also messbar, aber weniger stark als beim Labrador. Alle Zahlen sind Mittelwerte aus Regressionsmodellen: Sie beschreiben Gruppen, keinen einzelnen Hund. Ein reinerbiger Flat kann schlank sein, ein Flat ohne Deletion kann übergewichtig werden. Alle Hunde waren Familienhunde in Großbritannien, rekrutiert unter anderem über die Northern England Flatcoated Retriever Association.
Weniger Energieverbrauch in Ruhe: die Kalorimetrie an 19 schlanken Flats
Der eigentlich neue Befund der Studie von 2024 betrifft den Stoffwechsel, und er stammt ausschließlich von Flats. Die Forschenden setzten 19 schlanke, unkastrierte Flats im Alter von zwei bis sieben Jahren in eine Messkammer für indirekte Kalorimetrie: neun ohne Deletion, zehn mit zwei Kopien. Gemessen wurde, wie viel Sauerstoff die ruhenden Hunde verbrauchten und wie viel Kohlendioxid sie abgaben.
Die reinerbigen Flats verbrauchten in Ruhe deutlich weniger Energie (ANCOVA, p ≤ 0,001). Für einen Hund im Erwachsenengewicht schätzen die Autorinnen und Autoren den Unterschied auf etwa 25 %. Der respiratorische Quotient war in beiden Gruppen gleich (0,86) – die Hunde verbrannten also dieselbe Mischung aus Fett und Kohlenhydraten, nur insgesamt weniger. Zusammen mit dem gesteigerten Futtertrieb ergibt sich ein doppelter Effekt: mehr Verlangen nach Futter und ein niedrigerer Grundumsatz.
Drei Grenzen dieser Messung sind wichtig:
- Untersucht wurden nur reinerbige Flats. Wie stark der Ruheumsatz bei Hunden mit einer Kopie sinkt, ist nicht gemessen.
- Labradore wurden nicht kalorimetrisch untersucht. Die 25 % lassen sich daher nicht auf alle Träger übertragen.
- Die Gruppen waren klein (zehn gegen neun Hunde) und bestanden nur aus schlanken, unkastrierten Tieren.
Hormonell fanden die Forschenden keine Auffälligkeiten: ACTH, T4 und TSH unterschieden sich nicht. Es gab also keinen Hinweis auf einen Cortisolmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion; die Hunde waren klinisch gesund. Bei Labradoren mit einer Kopie lag der systolische Blutdruck niedriger als bei Hunden ohne Deletion (128 gegenüber 140 mmHg, 21 Hunde), beide Werte im Normalbereich. Bei 16 Flats war dieser Unterschied nicht signifikant.
LenaWarum gab es die Fressversuche nicht auch mit Flats? Das wäre doch die passende Rasse. Jonas ReuterDie Studie von 2024 schloss Flats bewusst aus. Begründung: das besondere Risiko einer Magendrehung bei schnellem Fressen und großen Mahlzeiten in dieser Rasse.Die Verhaltensversuche liefen deshalb mit Labrador-Familienhunden, aufgeteilt auf drei Versuche: Am Wurst-Box-Test nahmen 36 Hunde teil (18 ohne Deletion, 16 mit einer und 2 mit zwei Kopien), am Fressen nach Belieben 24 (14 ohne, 10 mit einer Kopie), am Geschmackstest ebenfalls 24 (13 ohne, 11 mit einer Kopie). Drei Stunden nach einer Standardmahlzeit bekamen die Hunde eine Wurst in einer verschlossenen, gelochten Box präsentiert: riechbar, aber unerreichbar. Träger beschäftigten sich deutlich länger mit der Box. In einem zweiten Versuch durften die Labradore nach Belieben fressen – die aufgenommene Menge unterschied sich zwischen den Genotypen nicht. Träger fraßen schneller, unterschieden schmackhaftes und unangenehmes Futter aber genauso gut. Das Muster lautet also: stärkeres Verlangen, normales Sättigungsgefühl, normaler Geschmack. Ob es bei Flats genauso aussieht, ist mangels Versuch offen.
Warum POMC allein das Gewicht eines Retrievers nicht erklärt
Die Deletion ist der bekannteste, aber nicht der einzige genetische Einfluss. OMIA führt Übergewicht beim Hund als multifaktoriell und listet neben POMC auch ADCY3 und DENND1B. Mehrere Arbeiten zeigen, wie begrenzt die Aussagekraft eines Einzelbefunds ist:
- Genomweite Studie, Universität Cambridge 2025: Wallis und Kollegen analysierten in Science 241 britische Labradore. Das stärkste Signal lag im Gen DENND1B (pro Kopie etwa 7,5 % mehr Körperfett – diese Zahl gilt für DENND1B, nicht für POMC). Die POMC-Deletion selbst erreichte in dieser Kohorte keine statistische Signifikanz für den BCS; die Autorinnen und Autoren nennen ihre geringe Häufigkeit, den moderaten Effekt und die fehlenden Assistenzhunde in der Stichprobe als mögliche Gründe. Ihr Fazit: Die genetische Architektur des Hundeübergewichts ist komplex.
- Polygener Risikowert: Ein aus 16 Markern gebildeter Labrador-Risikowert sagte den Körperzustand bei Golden Retrievern nur schwach und bei Flat Coated Retrievern gar nicht voraus. Jenseits von POMC funktioniert die Übergewichtsgenetik des Flats also anders als die des Labradors.
- Polen 2017: Mankowska und Kollegen bestätigten den Zusammenhang mit dem Körpergewicht, nicht aber mit einem 5-stufigen BCS, und hielten eine rezessive Wirkung in ihrer Kohorte für möglich – im Gegensatz zum additiven Muster aus Cambridge.
- Weitere Kandidaten: Eine Posener Studie an 50 Labradoren (2023) fand eine Variante in ADCY3, eine Genomstudie desselben Jahres strukturelle Varianten mit Bezug zum Gewicht; beide sind klein und noch nicht unabhängig bestätigt. Und nicht jede Variante im Melanocortin-Weg macht dick: Labradore mit zwei Kopien einer häufigen MC3R-Variante waren laut einer Arbeit von 2026 leichter und kamen später in die Pubertät, aber nicht signifikant übergewichtiger.
Auch die Umwelt spielt mit. Eine Auswertung an 521 britischen Labradoren (Wallis et al. 2024, Veterinary Record) fand: Kastration erhöhte das Übergewichtsrisiko bei Rüden, nicht bei Hündinnen; höheres Alter war bei Hündinnen relevant; schokoladenbraunes Fell und hohe Futtermotivation kamen als Risikofaktoren hinzu. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihre Stichprobe gezielt dicke und schlanke Hunde enthielt und keine Verbreitung in der Bevölkerung abbildet.
LenaEin Freund sagt, dicke Retriever bekommen Diabetes. Hängt das mit der Deletion zusammen? Jonas ReuterDafür gibt es keinen Beleg. Eine britische Studie von 2017 verglich 57 Labradore mit Diabetes und 61 ohne: kein Zusammenhang mit der POMC-Deletion (P = 0,31).In dieser Arbeit von Davison und Kollegen (Journal of Veterinary Internal Medicine) lag die Allelfrequenz über alle 118 Labradore bei 0,207. Die Gruppe lokalisierte die Deletion in Exon 3 und entwickelte ein eigenes Nachweisverfahren. Ihr Fazit fügt sich in eine Literatur ein, die beim Hund wenig direkte Verbindung zwischen Übergewicht und Diabetes mellitus sieht. Wer bei seinem Flat vermehrten Durst oder Gewichtsverlust trotz Appetit bemerkt, gehört unabhängig vom Gentest in die Praxis.
Den Test in Auftrag geben: welche Labore den Flat führen und was sie berechnen
Im deutschsprachigen Raum ist der Flat auf mehreren Laborseiten ausdrücklich aufgeführt. Die Preise wurden zwischen dem 17. und 21. Oktober 2026 erhoben:
| Anbieter | Bezeichnung | Preis | Dauer laut Anbieter |
|---|---|---|---|
| LABOKLIN, Bad Kissingen (Katalog DE, Juli 2026) | Adipositas (ADI), Fragmentlängenanalyse | 63,00 € Besitzer / 48,00 € Züchter mit Mitgliedsbescheinigung, inkl. 19 % MwSt. | 7–14 Werktage |
| LABOKLIN Österreich | wie oben | 63,53 € / 48,41 €, inkl. 20 % MwSt. | 7–14 Werktage |
| LABOKLIN Schweiz | wie oben | 64,15 CHF / 48,90 CHF, ohne MwSt. | 7–14 Werktage |
| Genomia, Pilsen (CZ) | Fettleibigkeit bei Labrador und Flat-Coated Retrievers | 58,00 € inkl. MwSt. (Auswahl EU-Land) | 12 Werktage |
| AnimaLabs, Zagreb (HR) | Obesity Labrador Retriever Type (ADI) | 54,90 € inkl. MwSt. | nicht angegeben |
Die LABOKLIN-Leistungsseite nennt als Rassen Australian Labradoodle (Cobberdog), Flat Coated Retriever, Labradoodle und Labrador Retriever und erwähnt ausdrücklich auch Bewegungsmangel und kalorienreiche Fütterung als Ursachen von Übergewicht. Für Labradore gibt es bei LABOKLIN zusätzlich ein Erweiterungspaket, das den Test mit sechs weiteren Labrador-Untersuchungen bündelt (110,00 €). Ein entsprechendes Rassepaket für den Flat enthält der Katalog nicht – Flat-Halter bestellen den Einzeltest. Genomia beschreibt die Neigung selbst als multifaktoriell; AnimaLabs akzeptiert Backenabstrich oder EDTA-Blut. Welcher Mehrwertsteuersatz im AnimaLabs-Preis steckt, war nicht zu ermitteln.
Ein vierter Weg führt über den VDH: Die VDH Service GmbH vertreibt das Wisdom-Panel-Paket MyDogDNA zum „Sonderpreis“, dessen Liste 2026 den Eintrag „Adipositasrisiko (POMC)“ enthält. Einen Betrag nennt die Seite nicht. Die Probe nimmt ein Tierarzt oder eine vom VDH-Zuchtverein autorisierte Person nach Chipkontrolle.
Ohne Ergebnis blieben die Suchen bei anderen Laboren: Die Volltabelle von FERAGEN DogCheck 4.0 (ab 124,90 €) enthält POMC nicht, auch die Shop-Suche fand nichts. Generatio in Heidelberg lieferte für „adipositas“ und „pomc“ keine Artikel. Für Certagen (VHL Genetics), das Partnerlabor des DRC, ist offen, ob POMC in den Rassepaketen steckt – die Website-Suche war für diese Frage nicht aussagekräftig. „Nicht gefunden“ heißt hier nicht „nicht im Angebot“.
Dominant, rezessiv oder „bisher unbekannt“? Das Ergebnis lesen
Wer verschiedene Laborseiten vergleicht, stößt auf widersprüchliche Angaben zum Erbgang. LABOKLIN schreibt „Erbgang bisher unbekannt“. AnimaLabs in Zagreb führt „Inheritance: Multifactorial“. Wisdom Panel ordnet die Variante auf seiner englischsprachigen Krankheitsseite als „autosomal dominant“ ein. Die polnische Studie vermutete eine rezessive Wirkung, die Cambridge-Daten zeigen dagegen einen Effekt, der mit jeder Kopie zunimmt.
Diese Etiketten passen schlecht zu einem Risikofaktor. Dominant und rezessiv beschreiben, ob ein klar abgegrenztes Krankheitsbild bei einer oder erst bei zwei Kopien auftritt. Bei der POMC-Deletion gibt es kein solches Krankheitsbild – es gibt eine Verschiebung von Gewicht, Futtertrieb und (bei Reinerbigen gemessen) Ruheumsatz. Praktisch lässt sich das Ergebnis so lesen:
| Ergebnis | Was die britischen Daten nahelegen | Was offen bleibt |
|---|---|---|
| keine Kopie | kein Beitrag dieser Variante zum Futtertrieb | Übergewicht ist trotzdem möglich (andere Gene, Fütterung, Kastration, Alter) |
| eine Kopie | im Mittel mehr Gewicht und mehr Futtermotivation als ohne Deletion | Ruheumsatz bei Mischerbigen nicht gemessen |
| zwei Kopien | stärkster Effekt; bei schlanken Flats rund 25 % weniger Ruheenergieverbrauch | Einzelhund kann dennoch schlank bleiben |
Ein Gentest diagnostiziert also kein Übergewicht. Er beantwortet eine engere Frage: ob ein Hund eine bekannte Variante trägt, die den Appetit nach oben verschiebt. Den Körperzustand selbst – Rippen tastbar oder nicht, Taille sichtbar oder nicht – beurteilt die Tierärztin oder der Tierarzt mit dem BCS.
Der Befund betrifft den Napf, nicht die Zuchtzulassung: wie die Retrieverclubs damit umgehen
Kein Retrieverclub im deutschsprachigen Raum verlangt den Test. Die DRC-Zuchtordnung für Flat-Coated Retriever (Fassung vom 21. März 2026) fordert für die Zuchtzulassung Auswertungen zu HD und ED, eine Augenuntersuchung auf PRA, HC und RD samt einmaliger Gonioskopie auf Goniodysplasie, Zahnstatus, Prüfungsnachweise, Schussfestigkeit, Formwert und eine DNA-Probe für die Datenbank. Einen molekulargenetischen Pflichttest enthält sie nicht; Gewicht oder Adipositas kommen nicht vor.
Im Juni 2024 stimmte die Züchterversammlung der Flats dafür, am DNA-Analyseprogramm des DRC teilzunehmen, das andere Retrieverrassen seit 2011 nutzen. Partnerlabor ist Certagen; der DRC betont zugleich die freie Laborwahl. Auch der Österreichische Retriever Club erwähnt POMC in seiner ab 1. März 2026 geltenden Zucht- und Eintragungsordnung für den Flat nicht, ebenso wenig die Gesundheitsseiten des Retriever Club der Schweiz. In der Labrador-Zuchtordnung des Labrador Club Deutschland (Stand 1. September 2025) fehlt der Test ebenfalls.
Das ist folgerichtig: Die Deletion ist kein Ausschlussmerkmal, sondern eine Neigung, die sich über Fütterung und Bewegung steuern lässt. Hinzu kommt eine Besonderheit des Flats, die die Cambridge-Autorinnen und -Autoren selbst festhalten: Die Rasse galt bisher nicht als besonders übergewichtsanfällig, das Thema wurde bei ihr aber auch nie systematisch untersucht. In einer Rasse, in der nach britischen Daten zwei Drittel der Hunde mindestens eine Kopie tragen, informiert das Ergebnis eher über den Alltag am Napf als über eine Verpaarungsentscheidung.
Angemessen ernähren: was Tierschutzrecht und Tierarztpraxis aus der Neigung machen
Das Qualzuchtverbot des § 11b Tierschutzgesetz greift hier nicht: Übergewicht ist dort nicht genannt, auch die österreichische Symptomliste in § 5 Abs. 2 TSchG führt es nicht, und die Qualzucht-Datenbank QUEN hat keinen Retriever- oder POMC-Eintrag. Einschlägiger sind die Halterpflichten. Nach § 2 Nr. 1 TierSchG muss ein Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen“ ernährt werden. In Österreich verlangt § 13 Abs. 2 TSchG, dass Betreuung und Ernährung den physiologischen Bedürfnissen angemessen sind; in der Schweiz schreibt Art. 4 der Tierschutzverordnung vor, Tiere „regelmässig und ausreichend mit geeignetem Futter“ zu versorgen, und verlangt in Abs. 2, die arttypische Beschäftigung bei der Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Keine dieser Vorschriften nennt Übergewicht ausdrücklich. Dass Gewichtsmanagement unter „angemessen ernähren“ fällt, ist eine naheliegende Lesart, keine gerichtlich geklärte Pflicht.
Die Cambridge-Autorinnen und -Autoren formulieren die praktische Konsequenz nüchtern: Ein Hund mit Deletion braucht wegen des niedrigeren Energieverbrauchs weniger Futter als ein Hund ohne, um schlank zu bleiben – bei stark futtermotivierten Hunden mühsam, aber machbar. „Viele schlanke, betroffene Hunde in dieser Kohorte“ belegten das. Die genomweite Studie von 2025 ergänzt einen ermutigenden Befund: Bei Labradoren mit hohem genetischem Risiko senkte eine strengere Kontrolle von Futter und Bewegung durch die Halter den BCS deutlich (p = 0,0077); Hunde mit niedrigem Risiko blieben eher unabhängig davon normalgewichtig. Der Einsatz der Halter lohnt sich also gerade dort, wo die Gene ungünstig liegen. Eine Studie, die zeigt, dass das Wissen um den POMC-Status allein das Gewicht verbessert, gibt es bislang nicht.
Wie viel ein bestimmter Flat fressen sollte, steht in keiner dieser Studien und lässt sich nicht aus dem Genotyp ablesen. Der Weg führt über die Praxis. Für die Haustierarztpraxis nennt die Gebührenordnung für Tierärzte unter anderem folgende einfachen Sätze (netto, abrechenbar bis zum Dreifachen):
| GOT-Nr. | Leistung | einfacher Satz |
|---|---|---|
| 16 | Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund | 23,62 € |
| 34 | Folgeuntersuchung im selben Behandlungsfall mit Beratung | 19,74 € |
| 2 | Eingehende Anamnese oder Beratung über das gewöhnliche Maß hinaus | 30,78 € |
| 627 | Venöse Blutprobenentnahme | 10,26 € |
Eine eigene GOT-Position „Gewichtsberatung“ gibt es nicht; Nr. 2 ist nur die naheliegendste Beratungsziffer. Für schwierige Fälle bieten zwei Universitätskliniken eine spezialisierte Ernährungsberatung an. Die LMU München betreibt die Spezialsprechstunde „Schlank und fit“: Nach einem Fragebogen zu Fütterung, Erkrankungen und Medikamenten wird der Hund vermessen, gewogen und fotografiert, dann werden Zielgewicht und Zeitraum festgelegt, Kontrollen folgen etwa alle vier Wochen. Das geht auch telemedizinisch mit Fotos von der Seite, von oben und im Stand, die Haustierarztpraxis kann einbezogen werden. Rationen berechnet die Klinik mit dem Programm „Diet Check“. Das Institut für Tierernährung der Universität Leipzig arbeitet mit einem Anamnesebogen, auf dem Halter den Ernährungszustand zwischen „zu dünn“ und „zu dick“ selbst einschätzen; Antwort meist binnen drei bis vier Werktagen, Kosten laut Bogen (Stand 2023) ab 142,80 € inkl. MwSt. Ein vorhandenes Gentestergebnis kann man beiden Stellen mitgeben – es ersetzt aber weder das Wiegen noch den BCS.
Futtermittelberatung im 75-Euro-Vorsorgetopf, DNA-Test ausgeschlossen: was Tierkrankenversicherer erstatten
Den Gentest selbst zahlt praktisch keine Police. Die Versicherungsbedingungen von FIGO/Agila (Fassung 01-2025) schließen Untersuchungen aus, die nur Informationen über den Gesundheitszustand liefern, und nennen „DNA-Tests“ ausdrücklich. HanseMerkur Premium (Kundeninformation Februar 2026) erstattet keine „anlasslosen Untersuchungen“ ohne Symptome. Barmenia (Bedingungen A3688) schließt „vorsorgliche Untersuchungen zur Feststellung von rassespezifischen Erkrankungen“ aus.
Bei der Gewichtsberatung unterscheiden sich die Tarife. HanseMerkur Premium zählt „Futtermittelberatung“ zu den Vorsorgeleistungen, gedeckelt auf 75 EUR je Versicherungsjahr – der Betrag gilt gemeinsam für alle dort aufgezählten Vorsorgeleistungen wie Schutzimpfungen, Wurmkuren oder Zahnreinigung, nicht für die Futtermittelberatung allein. Barmenia schließt „Ernährungsberatung oder Rationsberechnung ohne Indikation“ aus, AGILA (Vertragswerk 15.07.2026) „sämtliche Vorsorgeleistungen“. Diätfutter ist bei allen vier genannten Versicherern ausgeschlossen.
Eine offene Frage betrifft den Abschluss einer Police nach dem Test. Barmenia schließt angeborene oder genetisch bedingte Fehlentwicklungen aus, die vor Versicherungsbeginn bekannt waren; FIGO und AGILA nennen angeborene Krankheiten. Ob ein POMC-Befund – ein Risikofaktor, keine Erkrankung – darunter fällt, regelt keine der gelesenen Klauseln ausdrücklich. Wer vor Vertragsschluss testet, fragt am besten schriftlich beim Versicherer nach und bewahrt die Antwort auf.
Häufige Fragen
Q. Wird mein Flat dick, wenn er die POMC-Deletion trägt?
Nicht zwangsläufig. In den britischen Studien wogen Träger im Mittel mehr, aber die Cambridge-Gruppe beschreibt ausdrücklich viele schlanke Hunde mit Deletion. Ob Ihr Hund zu viel wiegt, beurteilt die Tierärztin oder der Tierarzt mit dem BCS – dort gehört auch jeder Abnehmplan hin.
Q. Wie viele Flats in Deutschland tragen die Variante?
Das ist unbekannt. Die 60 % Allelfrequenz und 39 % Reinerbige stammen aus 96 nicht verwandten Flats in Großbritannien. Für deutsche, österreichische oder Schweizer Linien wurden keine Zahlen veröffentlicht.
Q. Schließt ein Ergebnis ohne Deletion Übergewicht aus?
Nein. Getestet wird eine einzige Variante. Andere Gene wie DENND1B, Kastration, Alter und vor allem die Futtermenge wirken unabhängig davon. Der Labrador-Risikowert aus 16 Markern sagte beim Flat nichts voraus – die Genetik der Rasse ist nur teilweise verstanden.
Q. Haben reinerbige Flats einen langsameren Stoffwechsel?
In der Kalorimetrie von 2024 verbrauchten zehn reinerbige, schlanke Flats in Ruhe etwa 25 % weniger Energie als neun Flats ohne Deletion. Für Hunde mit einer Kopie gibt es keine Messung, und Schilddrüsen- sowie Cortisolwerte waren unauffällig.
Q. Erhöht die Deletion das Diabetesrisiko?
Nach der britischen Fall-Kontroll-Studie von 2017 an 118 Labradoren nicht (P = 0,31). Für Flats gibt es dazu keine eigene Untersuchung.
Q. Verlangt der DRC den Test für die Zucht?
Nein. Die Flat-Zuchtordnung vom 21. März 2026 enthält keinen molekulargenetischen Pflichttest, und POMC kommt darin nicht vor. Wer testen möchte, wählt das Labor frei.
Quellen
- Raffan E, Dennis RJ, O’Donovan CJ, Becker JM, Scott RA, Smith SP, Withers DJ, Wood CJ, Conci E, Clements DN, Summers KM, German AJ, Mellersh CS, Arendt ML, Iyemere VP, Withers E, Soder J, Wernersson S, Andersson G, Lindblad-Toh K, Yeo GS, O’Rahilly S (2016). A deletion in the canine POMC gene is associated with weight and appetite in obesity-prone Labrador retriever dogs. Cell Metab 23(5):893-900.
- Dittmann MT, Lakatos G, Wainwright JF, Mokrosinski J, Cross E, Farooqi IS, Wallis NJ, Halsey LG, Wilson R, O’Rahilly S, Yeo GSH, Raffan E (2024). Low resting metabolic rate and increased hunger due to beta-MSH and beta-endorphin deletion in a canine model. Sci Adv 10(10):eadj3823.
- Mankowska M, Krzeminska P, Graczyk M, Switonski M (2017). Confirmation that a deletion in the POMC gene is associated with body weight of Labrador Retriever dogs. Res Vet Sci 112:116-118.
- Davison LJ, Holder A, Catchpole B, O’Callaghan CA (2017). The canine POMC gene, obesity in Labrador retrievers and susceptibility to diabetes mellitus. J Vet Intern Med 31(2):343-348.
- Wallis NJ, McClellan A, Morseburg A, Kentistou KA, Jamaluddin A, Dowsett GKC, et al., Raffan E (2025). Canine genome-wide association study identifies DENND1B as an obesity gene in dogs and humans. Science 387(6741):eads2145.
- Wallis NJ, Sumanasekera NT, Raffan E (2024). Obesity risk factors in British Labrador retrievers: effect of sex, neuter status, age, chocolate coat colour and food motivation. Vet Rec 194(6):e3410.
- Sypniewski M, Szydlowski M (2023). A study of 41 canine orthologues of human genes involved in monogenic obesity reveals marker in the ADCY3 for body weight in Labrador Retrievers. Vet Sci 10(6):390.
- Antkowiak M, Szydlowski M (2023). Uncovering structural variants associated with body weight and obesity risk in labrador retrievers: a genome-wide study. Front Genet 14:1235821.
- Duckett K, McClellan A, Corbin LJ, et al. (2026). Cross-species studies implicate the melanocortin 3 receptor more strongly in the control of pubertal development than energy balance. Mol Metab 103:102301.
- OMIA 001258-9615: Obesity in Canis lupus familiaris (dog). Online Mendelian Inheritance in Animals, University of Sydney.
- NCBI Gene ID 403659: POMC proopiomelanocortin [Canis lupus familiaris].
- LABOKLIN. Adipositas (Leistungs-ID 8602). Abgerufen am 21.10.2026.
- Deutscher Retriever Club e.V. Zuchtordnung für Flat-Coated Retriever (Fassung vom 21. März 2026). Abgerufen am 21.10.2026.
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Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Adipositas-/Appetit-Risiko (POMC-Deletion) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
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Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
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