Fazit: Jeder haarlose Peruanische Nackthund (Perro sin pelo del Perú) trägt genau eine Kopie einer Duplikation von 7 Basenpaaren im Gen FOXI3. Ein internationales Team unter Beteiligung der Universität Bern beschrieb sie 2008 in Science bei Perro, Xoloitzcuintle und Chinesischem Schopfhund. Hunde ohne die Variante tragen Fell; Tiere mit zwei Kopien wurden unter genotypisierten Hunden nie gefunden und gelten als nicht lebensfähig. Dieselbe Kopie erklärt die Zahnlücken: In einer Jenaer Schädelserie fehlten den FOXI3-heterozygoten Hunden die bleibenden Eck- und Vorbackenzähne. § 11b TierSchG nennt weder Rasse noch Merkmal; das Gutachten von 1999 empfiehlt für Nackthunde ein Zuchtverbot, der FCI-Standard Nr. 310 akzeptiert fehlende Zähne beim haarlosen Schlag. Der Gentest (LABOKLIN 8599, 63,00 € inkl. 19 % MwSt.) bestätigt einen Genotyp und ersetzt keine Untersuchung – Gebiss, Haut und Augen beurteilt die Tierarztpraxis.
- Eine Variante, drei Rassen: der Befund in Science 2008
- Haarlos, behaart, nie geboren: die drei möglichen Genotypen
- Schädel aus Jena: was die Mikro-CT über fehlende Zähne verrät
- Vollzahnig nur mit Fell: wie FCI-Standard 310 und CER-Zuchtordnung das Gebiss bewerten
- Haut, Drüsen, Tränenfilm: welche Befunde wirklich vom Nackthund stammen
- § 11b ohne Merkmalsliste – und drei Texte, die ihn auslegen
- Eilverfahren in Gelsenkirchen: Zuchtverbot vollziehbar, Kastration vorerst nicht
- Österreich nennt das fehlende Haarkleid wörtlich, die Schweiz nicht
- Von der Backenabstrich-Probe bis zur Zahnklausel: Kosten und Ansprechpartner
- Häufige Fragen
- Verwandte Artikel
- Literatur und Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Eine Variante, drei Rassen: der Befund in Science 2008
Vor 2008 kannte man die Haarlosigkeit nur aus Würfen. Robinson deutete sie 1985 als dominantes Gen mit pränatal letaler Reinerbigkeit. O’Brien und Kollegen ordneten das Merkmal 2005 in einem Stammbaum aus 51 Hunden (Schopfhunde, Kerry Blue Terrier, Kreuzungen) dem Hundechromosom 17 zu.
Den eigentlichen Schalter fanden Drögemüller, Leeb und Kollegen 2008. Nach den Angaben, die die Datenbank OMIA aus der Publikation übernimmt, verglichen sie im genomweiten Scan 20 haarlose und 19 behaarte Chinesische Schopfhunde. Das Signal lag in einem 102 kb großen Abschnitt auf Chromosom 17, und darin sitzt FOXI3, ein Gen, das laut Abstract gezielt in sich entwickelnden Haaren und Zähnen abgelesen wird. In Exon 1 sind sieben Basen doppelt vorhanden. Die Variante c.57_63dup verschiebt das Leseraster; eine Übersichtsarbeit des National Human Genome Research Institute (Parker et al. 2017) beschreibt den Verlust von etwa 95 % des normalen Proteins. In der Pressemitteilung des Broad Institute heißt es, die Duplikation sei bei allen 140 untersuchten haarlosen und bei keinem von 87 behaarten Hunden gefunden worden; den Volltext konnten wir nicht einsehen.
Für den Perro entscheidend: Dieselbe Duplikation tragen auch Xoloitzcuintle und Chinesischer Schopfhund, und ein gemeinsamer SNP-Haplotyp von 102 kb spricht dafür, dass sie in allen drei Rassen auf einen Ursprung zurückgeht. Im übrigen Erbgut unterscheiden sie sich: In der Analyse von 161 Rassen (Parker et al. 2017, Cell Reports) stehen Perro und Xolo in verschiedenen Ästen, mit Spuren europäischer Hütehunde.
Nicht jeder haarlose Hund geht auf FOXI3 zurück. Der American Hairless Terrier und einzelne Scottish Deerhounds sind durch Varianten im Gen SGK3 haarlos, die rezessiv vererbt werden; in einer Untersuchung von Hytönen und Lohi (2019) an 66 Deerhounds waren 12 % Anlageträger. Abzugrenzen ist auch die X-chromosomale Form (Gen EDA) ohne Schweißdrüsen. Ein FOXI3-Test sagt über diese Formen nichts aus. Erfasst ist die Erkrankung unter NCBI Gene 483075 und OMIA 000323-9615 („canine ektodermale Dysplasie“, CED).
Haarlos, behaart, nie geboren: die drei möglichen Genotypen
LenaKönnte unser behaarter Welpe die Nacktvariante trotzdem heimlich weitergeben? Jonas ReuterNein. Nach der Berner Arbeit von 2008 trägt ein behaarter Perro keine Kopie der Variante. Wiener und Kollegen fanden 2013 bei behaarten Schopfhunden normale Haarfollikel.LABOKLIN nennt den Erbgang „kodominant“, AnimaLabs „semi-dominant“, OMIA „unvollständig dominant“. Gemeint ist dasselbe; hier heißt er „semidominant“: Eine Kopie verändert Haar und Gebiss, zwei gelten als nicht lebensfähig.
| Genotyp | Erscheinungsbild | Bezeichnung in Labor und Zuchtbuch |
|---|---|---|
| keine Kopie (N/N) | vollständiges Fell, vollständiges Gebiss erwartet | „Powderpuff“ bei LABOKLIN, behaarte Varietät, im CER-Wurfprotokoll PP |
| eine Kopie (N/Dup) | haarlos bis spärlich behaart, Zahnanomalien | haarlose Varietät, im CER-Wurfprotokoll HL |
| zwei Kopien (Dup/Dup) | unter genotypisierten Hunden nie gefunden | gilt als embryonal letal |
Aus der Tabelle folgen die Zahlen, die das QUEN-Merkblatt Nr. 4 nennt: Zwei haarlose Eltern ergeben im Schnitt zwei haarlose auf einen behaarten Welpen. Bei haarlos × behaart ist das Verhältnis eins zu eins – so beobachtete es auch ein Versuch der Universität Tokio (Kimura et al. 1993), in dem haarlose Rüden mit Beagle-Hündinnen verpaart wurden. Aus zwei behaarten Eltern können nur behaarte Welpen hervorgehen.
Wie gut ist die Letalität belegt? Direkt beobachtet wurde sie nicht. Belegt ist das Fehlen: Parker et al. schreiben 2017, dass sich in keiner der Rassen ein reinerbiges Tier fand, und schließen daraus auf embryonale Letalität. Dazu kommen ältere Zuchtdaten, etwa von Goto und Kollegen (1987), die ein „semi-letales“ Gen annahmen. Den Zeitpunkt beschreiben die Quellen unterschiedlich: OMIA spricht von Embryonen, die sehr früh in der Trächtigkeit absterben und resorbiert werden, das deutsche Gutachten von 1999 von Tieren, die „perinatal“ sterben, LABOKLIN von Embryonen, die „bereits während der Trächtigkeit“ absterben. Genotypisierte Embryonen oder gemessene Wurfgrößen haben wir in der Literatur nicht gefunden. Dass bei haarlos × haarlos ein Viertel der Anlagen verloren geht, ist eine Rechnung nach Mendel, keine Messung.
In der Tokioter Kolonie überlebten haarlose Welpen deutlich seltener als behaarte; beheizte man die Käfige auf mindestens 25 °C, stieg ihre Überlebensrate auf 50 bis 90 %. Die Kolonie wurde nie auf FOXI3 typisiert, die Zahl gilt nicht für heutige Perro-Würfe.
Schädel aus Jena: was die Mikro-CT über fehlende Zähne verrät
LenaGibt es überhaupt Messungen dazu, welche Zähne beim Nackthund fehlen? Jonas ReuterDie genaueste stammt aus Jena: Kupczik und Kollegen haben 2017 Schädel aus einem Zuchtversuch von 1914 bis 1919 im Mikro-CT vermessen und ihre DNA typisiert.Das Material liegt im Phyletischen Museum der Universität Jena. Ludwig Plate hatte einen haarlosen Rüden, der ursprünglich aus Ceylon stammen soll, mit einer behaarten Dackelhündin verpaart und über drei Generationen 33 Nachkommen gezogen. 14 Schädel wurden untersucht: neun erwachsene und fünf junge Hunde, sieben behaart, sechs haarlos, einer mit fleckigem Fell. Aus zehn Proben ließ sich DNA gewinnen. Alle sechs genotypisierten Hunde mit CED-Bild, einschließlich des fleckigen, waren für die 7-bp-Duplikation heterozygot, vier behaarte Hunde trugen sie nicht.
Der Befund am Gebiss ist eindeutig. Den haarlosen Hunden fehlten im Ober- und Unterkiefer die bleibenden Eckzähne und Prämolaren vollständig, teilweise auch Schneidezähne; die ersten Prämolaren (P1) waren allerdings meist vorhanden. Milch-Eckzähne und Milch-Prämolaren standen bei den meisten noch im Kiefer. Die ersten Molaren waren bei allen haarlosen Hunden vorhanden, allerdings mit vereinfachten Höckern: Am unteren ersten Molaren fehlten Metaconid, Entoconid und Hypoconulid. Zwei Vergleiche zeigen, wo die Studie vorsichtig bleibt. Dritte Molaren fehlten bei drei von fünf erwachsenen haarlosen oder fleckigen Hunden, und untere dritte Molaren fehlten ebenso bei drei von vier erwachsenen behaarten Hunden – das ist also kein FOXI3-Effekt. Und der erste Molar war bei Haarlosen im Mittel 15,08 mm lang, bei Behaarten 16,06 mm, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied (p = 0,353). Die Autoren sprechen von Haploinsuffizienz: Eine intakte Kopie reicht beim Hund nicht für ein normales Gebiss.
Einschränkend gilt: Die Jenaer Hunde sind keine Peruanischen Nackthunde, und sechs heterozygote Schädel ergeben keine Häufigkeit. Das Gutachten von 1999 beschreibt mit Verweis auf ältere Literatur dasselbe Muster („Meist fehlen die Prämolaren, häufig auch Canini oder Incisivi“). Für den Halter folgt daraus vor allem, beim Zahnwechsel genau hinzusehen: Bleibende Milchzähne und Lücken lassen sich nur tierärztlich, meist mit Röntgen, sicher einordnen.
Vollzahnig nur mit Fell: wie FCI-Standard 310 und CER-Zuchtordnung das Gebiss bewerten
Der FCI-Standard Nr. 310 (gültige Fassung veröffentlicht am 15.09.2021, englische Übersetzung vom 26.10.2021; eine deutsche Fassung bietet die FCI nicht an, die Zitate sind übersetzt) kennt drei Größen von 25 bis 65 cm und zwei Varietäten. Beim haarlosen Schlag sei das Gebiss „fast immer unvollständig“, das Fehlen eines oder mehrerer Zähne wird akzeptiert. Beim behaarten Schlag muss das Gebiss vollständig sein: Fehlt dort mehr als ein Zahn, ist das ein disqualifizierender Fehler, schon das Fehlen eines P1 gilt als Fehler. Dasselbe Merkmal wird je nach Fell gegensätzlich bewertet, weil nur der haarlose Hund die Variante trägt.
Die Präambel regelt die Verpaarung: Behaarte Hunde dürfen bei der Ersteintragung nur aus zwei eingetragenen haarlosen Eltern stammen und nur mit haarlosen verpaart werden; Verpaarungen zwischen behaarten sind verboten. Haarlos × haarlos untersagt der Standard nicht. Für das Anerkennungsjahr nennt die Präambel 1985 (FCI-Versammlung Amsterdam), die FCI-Nomenklaturseite den 30.06.1981.
Im VDH betreut der Club für Exotische Rassehunde e.V. (CER) die Rasse, nach eigener Darstellung seit 1978. Seine Zuchtordnung (Stand 17.05.2026) geht an drei Stellen über den Standard hinaus:
- § 6 Nr. 2.1: Beim haarlosen Perro ist Vollzahnigkeit „anzustreben“, beim behaarten darf höchstens ein P1 fehlen.
- § 8 Nr. 2.9: Für Nackthunde wird empfohlen, haarlose mit behaarten Hunden zu verpaaren – eine Empfehlung, kein Verbot.
- Wurfabnahme: Die Haarart wird als HL oder PP erfasst, Welpen dürfen vorher nicht rasiert oder enthaart werden. Bei unklarer Zuordnung oder Manipulationsverdacht muss der Zuchtwart einen FOXI3-Gentest anordnen; die Ahnentafeln gibt es erst nach dem Ergebnis, die Kosten trägt der Züchter.
Die übergeordnete VDH-Zucht-Ordnung (Stand 01.09.2024) sieht vor, dass heterozygote Anlageträger nicht von der Zucht ausgeschlossen werden sollen, wenn der Partner homozygot frei ist. Auf FOXI3 übertragen (unsere Lesart, keine VDH-Aussage) entspricht das haarlos × behaart, denn beim Nackthund ist jeder Anlageträger zugleich Merkmalsträger. Die QUEN-Datenbank kommentiert die vergleichbare Klausel im Xolo-Standard so: „Damit wird standardmäßig die Zucht mit defekttragenden Tieren verlangt.“ Rechtlich bindend sind laut QUEN weder Standards noch Zuchtordnungen.
Die Zahl der Perro-Welpen in VDH-Vereinen schwankt auf niedrigem Niveau: 7 im Jahr 2025, 12 im Jahr 2024, 33 im Jahr 2020 (VDH-Welpenstatistik, ohne Trennung nach haarlos und behaart).
Haut, Drüsen, Tränenfilm: welche Befunde wirklich vom Nackthund stammen
LenaKann ein Nackthund überhaupt schwitzen? Und hat er ständig Hautprobleme? Jonas ReuterWiener und Kollegen fanden 2013 in Hautproben von 22 Schopfhunden normale apokrine Drüsen. Ältere Hautbefunde stammen aus einer Laborkolonie.Wiener und Kollegen beschrieben 2013 in Veterinary Dermatology drei Untertypen beim Schopfhund – echt haarlos, teilbehaart und Powderpuff – und bestätigten, dass haarlose Tiere obligat heterozygot sind. Die Hunde mit FOXI3-Variante hatten nur einfache Primärfollikel, die Powderpuffs zusammengesetzte Follikel wie andere Rassen. Apokrine Hautdrüsen und Schleimdrüsen der Atemwege waren bei den Merkmalsträgern „vorhanden und normal“, womit sich das Bild klar von der X-chromosomalen Form unterscheidet. Leeb hielt 2012 in Head & Face Medicine fest, dass auch die ekkrinen Drüsen der Nackthundrassen normal sind. Der FCI-Standard 310 betont, Innen- und Außentemperatur haarloser Perros seien dieselbe wie bei anderen Rassen.
Für den Perro selbst gibt es eine neue klinische Arbeit: Venturo und Kollegen (Erstautor an der Universidad Peruana Cayetano Heredia in Lima) beschrieben 2025 zwei Peruanische Nackthunde und einen Schopfhund mit einem Hautbild, das einem Erythema annulare centrifugum entsprach. Alle drei heilten unter tierärztlicher Behandlung vollständig ab. Drei Fälle erlauben keine Aussage über die Häufigkeit.
Ein großer Teil der älteren Hautliteratur stammt aus Japan. Kimura und Doi beschrieben in den 1990er-Jahren Komedonen auf der Rückenhaut, Sonnenbrand nach künstlichem UV-Licht und die Wirkung von Lichtschutz. Die Tiere waren Nachkommen Mexikanischer Nackthunde, gekreuzt mit Beagles, gehalten in einer Kolonie der Universität Tokio, und wurden nie genotypisiert. Für den heutigen Perro sind das Hinweise, keine Rassedaten. Auch die „gewisse Immundefizienz“ im Gutachten von 1999 stützt sich auf eine einzelne Arbeit (Goto et al. 1987); gesichert ist sie für die Rasse nicht.
Das QUEN-Merkblatt Nr. 4 verweist zudem auf eine peruanische Studie, nach der haarlose Perros teilweise funktionslose oder fehlende Meibom-Drüsen am Lidrand und einen schneller aufreißenden Tränenfilm haben, mit dem Risiko einer Keratokonjunktivitis sicca. Die Originalarbeit konnten wir nicht prüfen. Für die von LABOKLIN erwähnten Fehlbildungen des Außenohrs fanden wir keinen Primärdatensatz am Hund. Häufigkeiten von Sonnenbrand, Komedonen oder Hauttumoren bei heutigen Perros sind nicht veröffentlicht; Rötungen, Mitesser oder gerötete Augen gehören in die Praxis.
§ 11b ohne Merkmalsliste – und drei Texte, die ihn auslegen
Der Wortlaut des § 11b Abs. 1 TierSchG verbietet Zucht, wenn züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass bei der Nachzucht erblich bedingt Körperteile oder Organe „für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind“ und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Haarlosigkeit oder Zähne nennt die Vorschrift nicht. Eine Rechtsverordnung nach § 11b Abs. 4, die konkrete Merkmale festlegen könnte, ist bislang nicht erlassen. Die Behörde kann nach § 11b Abs. 2 die Unfruchtbarmachung und nach § 16a weitere Maßnahmen anordnen. § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung untersagt, Hunde mit solchen erblichen Merkmalen auszustellen, auch bei sonstigen Veranstaltungen, auf denen Hunde verglichen oder beurteilt werden.
Erster Auslegungstext ist das Gutachten der Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht (2. Juni 1999). Abschnitt 2.1.1.1.6 „Haarlosigkeit (Nackt)“ definiert eine „Haarlose Defektmutante“, nennt den Chinesischen und Mexikanischen Nackthund „etc.“ – der Perro steht nicht namentlich dort – und beschreibt ein „autosomal unvollkommen dominantes Gen (Letal-/Semiletalfaktor)“. Das deckt sich mit dem FOXI3-Befund von 2008. Die Empfehlung lautet „Zuchtverbot für alle Defektgenträger“, in der Orientierungstabelle „Verbot für Nackttiere“. Das Gutachten ist eine Auslegungshilfe, kein Gesetz.
Zweiter Text ist das QUEN-Merkblatt Nr. 4 „Fehlendes Haarkleid“ (Stand 01.01.2026). Es ordnet die Nackthunde der Belastungskategorie 3 zu, hält eine Selektion auf haarlose Tiere ohne Gebissfehlbildungen für „aussichtslos“ und kommt zu dem Schluss, dass die Zucht von Nackthunden gegen § 11b Abs. 1 Nr. 1 verstoße. QUEN ist ein tierärztliches Fachnetzwerk; das Merkblatt formuliert eine Fachposition, keine Rechtsnorm.
Dritter Text ist der Referentenentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes von 2024. Er sah für einen neuen § 11b Abs. 1a eine offene Symptomliste vor, darunter Nr. 6 „Haar-, Feder- oder Schuppenlosigkeit“ und Nr. 14 „Fehlbildungen des Gebisses“. Der VDH widersprach in seiner Stellungnahme vom 3. April 2024: Für haarlose Vertreter bestimmter Rassen sei eine Beeinträchtigung der Lebensqualität „nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht belegt“; er berief sich auf ein EFSA-Gutachten vom 14.09.2023. Ob der Entwurf in Kraft getreten ist, konnten wir in Primärquellen nicht bestätigen. Der geltende § 11b enthält keine solche Liste.
Eilverfahren in Gelsenkirchen: Zuchtverbot vollziehbar, Kastration vorerst nicht
LenaGibt es denn schon Gerichte, die über die Zucht haarloser Hunde entschieden haben? Jonas ReuterIm Volltext lesbar ist ein Beschluss des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom Januar 2025 zu einer Xolo-Zucht. Er stützt sich auf das Gutachten von 1999.Im Verfahren 16 L 470/24 (Beschluss vom 06.01.2025) hatte das Veterinäramt einer Züchterin Mexikanischer Nackthunde die Zucht untersagt, die Kastration ihrer Hunde angeordnet und schriftliche Kaufverträge mit Qualzucht-Hinweis verlangt. Das Gericht prüfte im Eilverfahren nur summarisch und kam zu drei unterschiedlichen Ergebnissen:
| Anordnung der Behörde | Ergebnis im Eilverfahren |
|---|---|
| Zuchtverbot, Zwangsgeldandrohung 7.000 € je Welpe | bleibt sofort vollziehbar |
| sofortige Kastration | nicht sofort vollziehbar, weil die Folgen vor der Hauptsache endgültig wären |
| Kaufverträge mit Pflichthinweis | „offensichtlich rechtswidrig“; Käuferdaten anzufordern bleibt zulässig |
In der Sache formulierte die Kammer vorsichtig: Es „spricht einiges dafür“, dass die Zucht gegen § 11b Abs. 1 verstößt. Als Belastungen nannte der Beschluss Kälte und Hitze, Verletzungsgefahr, Kommunikation mit anderen Hunden, Nahrungsaufnahme sowie Zahngesundheit. Zugleich hielt das Gericht fest, die Züchterin sei den Fachquellen mit einem Gegengutachten „sehr substantiiert“ entgegengetreten; die endgültige Klärung bleibe dem Hauptsacheverfahren vorbehalten, dessen Ausgang wir nicht ermitteln konnten. Das QUEN-Merkblatt listet weitere Beschlüsse zu Nackthunden aus Thüringen und Niedersachsen; deren Volltexte lagen uns nicht vor, ihren Inhalt geben wir daher nicht wieder. Die Rechtslage für die Zucht ist in Deutschland damit umstritten und wird bislang von Fall zu Fall durch Behörden und Gerichte geklärt. Gegenstand des Gelsenkirchener Verfahrens war die Zucht, nicht die Haltung.
Österreich nennt das fehlende Haarkleid wörtlich, die Schweiz nicht
Am deutlichsten ist der österreichische Gesetzestext. § 5 Abs. 2 Z 1 TSchG verbietet Qualzüchtungen, bei denen im Zusammenhang mit genetischen Anomalien bestimmte Symptome mit wesentlichen Auswirkungen auf die Gesundheit auftreten, und zählt ausdrücklich auf: lit. d „Entzündungen der Haut“, lit. e „Einschränkung physiologischer Funktionen durch teilweise oder gänzlich fehlendes Haarkleid“ und lit. k „Fehlbildungen des Gebisses, des Kiefers …, sofern diese Fehlbildungen ihren physiologischen Funktionen entgegenstehen“. Der niederösterreichische Leitfaden zur Beurteilung von Qualzuchtmerkmalen (Überarbeitung 07/2023) führt in seiner Übersicht „HAARLOSIGKEIT (CED …)“ mit dem Beispiel „CED – Nackthunderassen“; den Perro nennt seine Rassentabelle nicht. Der Gentest kostet in Österreich laut LABOGEN-Katalog (Juli 2026) 63,53 € für Besitzer und 48,41 € für Züchter, jeweils inkl. 20 % MwSt.
Die Schweiz formuliert allgemein. Art. 25 der Tierschutzverordnung lässt Zuchtziele mit eingeschränkten Organfunktionen nur zu, wenn sie ohne belastende Pflege und ohne regelmäßige medizinische Maßnahmen kompensierbar sind. Die konkretisierende Tierschutz-Zuchtverordnung (TSchZV, SR 455.102.4) listet in Anhang 2 Haarlosigkeit bei Hunden nicht; bei den Hautmerkmalen steht nur die Schuppenlosigkeit bei Echsen und Schlangen. In der Schweiz kostet die Position 8599 bei LABOGEN 64,15 CHF beziehungsweise 48,90 CHF für Züchter, jeweils ohne MwSt.
Älter ist eine Resolution des Europarats vom 10.03.1995 (Heimtierübereinkommen ETS 125): Die Zucht haarloser Hunde und Katzen sei zu vermeiden oder, falls schwere Defekte nicht zu beseitigen sind, einzustellen – begründet mit fehlendem Sonnen- und Kälteschutz, verringerter Zahnzahl und Semiletalfaktor. Der Text ist bedingt formuliert und an Zuchtverbände gerichtet.
Von der Backenabstrich-Probe bis zur Zahnklausel: Kosten und Ansprechpartner
Der FOXI3-Test bestätigt beim Perro meist, was das Fell zeigt. Sinnvoll ist er, wenn ein Welpe nicht eindeutig zuzuordnen ist – dafür sieht ihn die CER-Zuchtordnung vor – oder wenn ein spärlich behaarter Hund für die Zuchtplanung eingeordnet werden soll. LABOKLIN bestimmt die Variante bei den drei Nackthundrassen per Fragmentlängenanalyse; laut Leistungsseite ist der Test nicht für den American Hairless Terrier geeignet. Der Testname lautet dort „Haarlosigkeit (Powderpuff)“.
| Anbieter (Sitz) | Testname | Preis | Bearbeitung | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| LABOKLIN (Bad Kissingen) | 8599 Haarlosigkeit (Powderpuff) | 63,00 € Besitzer, 48,00 € Züchter mit Vereinsnachweis, inkl. 19 % MwSt. | 7–14 Werktage | Rassepaket 8346 „Chinese Crested Dog“ (110,00 €) enthält FOXI3 nicht |
| Genomia (Pilsen) | Hairlessness in dogs | 58,00 € inkl. MwSt. (EU-Ansicht) | 12 Arbeitstage | Kombination „Chinese Crested Dog XXL“ 160,00 € nur für Schopfhunde |
| AnimaLabs (Zagreb) | Dog Hairlessness – Ectodermal Dysplasia (CED) | 54,90 € inkl. MwSt. | keine Angabe | Backenabstrich oder EDTA-Blut |
| EuroVetGene (Slowenien) | „Neodlakanost“ (FOXI3, CED) | 47,01 €, MwSt.-Status nicht angegeben | keine Angabe | Rassenliste mit allen drei Nackthundrassen |
Preise abgerufen am 20.10.2026 bzw. LABOGEN-Katalog Juli 2026. Keinen FOXI3-Test bieten FERAGEN (Österreich; dessen „Ektodermale Dysplasie“ meint andere Gene) und die Universität Bern an.
Für die meisten Halter zählt mehr der Zahnstatus. Die Bundestierärztekammer führt „Zahnheilkunde Kleintier“ und „Dermatologie Kleintier“ als Zusatzbezeichnungen, nicht als Fachtierarzt-Gebiete; danach lässt sich bei der Praxissuche fragen. Abgerechnet wird nach GOT (Einfachsätze netto, ein- bis dreifach):
| GOT-Nr. | Leistung | Einfachsatz netto |
|---|---|---|
| 16 | Allgemeine Untersuchung mit Beratung, Hund | 23,62 € |
| 166 | erste und zweite Röntgenaufnahme, je | 26,53 € |
| 951 / 955 | Zahnextraktion / kompliziert | 10,26 € / 41,04 € |
| 932 | Zahnstein und Beläge, mit Scaling und Politur | 61,97 € |
| 752 | Schirmer-Tränentest, je Auge | 8,21 € |
| 96 | Biopsie, Hautstanze | 23,49 € |
Bei der Tierkrankenversicherung entscheiden beim Perro die Zahnklauseln. HanseMerkur schließt im Tarif Premium (Kundeninformation Februar 2026, § 1 Abs. 64 und 65) „Diagnostik, Operationen und Behandlungen an Zähnen und Zahnwurzeln“ sowie Kieferanomalien und Extraktionen aus. Der Zusatztarif Zahn erstattet die „Korrektur von Zahn- und Kieferanomalien (z. B. persistierende Milchcanini …)“ und Extraktionen nach einem Monat Wartezeit, aber nicht, wenn bei Antragstellung Anzeichen bekannt waren oder „hätten bekannt sein können“, etwa „lockere Zähne“. Weil Zahnlücken beim haarlosen Perro ab dem Zahnwechsel sichtbar sind, lohnt die Nachfrage vor Abschluss. AGILA schließt angeborene Krankheiten und Defekte aus und erstattet Zahnbehandlungen nur über den optionalen Baustein „Zahnbehandlungen“ bis zu einem jährlichen Pauschalhöchstbetrag.
Häufige Fragen
Q. Ist die Haltung eines Peruanischen Nackthundes in Deutschland verboten?
Nein. § 11b TierSchG regelt die Zucht, nicht die Haltung, und nennt keine Rasse; Ausstellungen können nach § 10 TierSchHuV betroffen sein. Das Gutachten von 1999 und das QUEN-Merkblatt empfehlen für Nackthunde ein Zuchtverbot; ob ein Veterinäramt einschreitet, entscheidet es im Einzelfall, wie das Gelsenkirchener Verfahren zeigt.
Q. Kann ein behaarter Perro die Haarlosigkeit verdeckt vererben?
Nach allem, was über FOXI3 bekannt ist, nicht. Ein behaarter Perro trägt keine Kopie der Duplikation. Das gilt nur für diese Variante; andere Erbkrankheiten werden davon nicht berührt.
Q. Mein haarloser Junghund hat mit acht Monaten noch Milch-Eckzähne. Was tun?
In der Jenaer Schädelserie standen bei den meisten haarlosen Hunden noch Milch-Eckzähne, weil die bleibenden fehlten. Ob ein Milchzahn bleiben kann oder Probleme macht, klärt die Tierarztpraxis, meist mit Röntgen; ziehen oder belassen ist eine tierärztliche Entscheidung.
Q. Ist ein Nackthund anfälliger für Infekte, weil er ein schwaches Immunsystem hat?
Das ist nicht gesichert. Die Angabe geht auf japanische Laborhunde aus den 1980er- und 1990er-Jahren zurück, die nie auf FOXI3 typisiert wurden. Wer häufige Infekte beim eigenen Hund beobachtet, lässt die Ursache tierärztlich abklären.
Q. Bringt ein negatives FOXI3-Ergebnis Sicherheit über Haut und Augen?
Nein, der Test misst eine einzige Variante. Rötungen, Krusten oder gereizte Augen klärt die Praxis, bei Bedarf mit Überweisung an eine Kollegin oder einen Kollegen mit Zusatzbezeichnung Dermatologie.
Q. Welches Ergebnis zeigt das Labor bei einem haarlosen Hund an?
Erwartet wird ein heterozygoter Befund. Ein Ergebnis „zwei Kopien“ wäre bei einem lebenden Hund unerwartet und gehört zurück ans Labor.
Literatur und Quellen
- Drögemüller C, Karlsson EK, Hytönen MK, Perloski M, Dolf G, Sainio K, Lohi H, Lindblad-Toh K, Leeb T (2008). A mutation in hairless dogs implicates FOXI3 in ectodermal development. Science 321(5895):1462.
- Kupczik K, Cagan A, Brauer S, Fischer MS (2017). The dental phenotype of hairless dogs with FOXI3 haploinsufficiency. Scientific Reports 7:5459.
- Wiener DJ, Gurtner C, Panakova L, Mausberg TB, Müller EJ, Drögemüller C, Leeb T, Welle MM (2013). Clinical and histological characterization of hair coat and glandular tissue of Chinese crested dogs. Veterinary Dermatology 24(2):274-e62.
- Parker HG, Harris A, Dreger DL, Davis BW, Ostrander EA (2017). The bald and the beautiful: hairlessness in domestic dog breeds. Philosophical Transactions of the Royal Society B 372(1713):20150488.
- Parker HG, Dreger DL, Rimbault M, Davis BW, Mullen AB, Carpintero-Ramirez G, Ostrander EA (2017). Genomic analyses reveal the influence of geographic origin, migration, and hybridization on modern dog breed development. Cell Reports 19(4):697-708.
- O’Brien DP, Johnson GS, Schnabel RD, Khan S, Coates JR, Johnson GC, Taylor JF (2005). Genetic mapping of canine multiple system degeneration and ectodermal dysplasia loci. Journal of Heredity 96(7):727-734.
- Hytönen MK, Lohi H (2019). A frameshift insertion in SGK3 leads to recessive hairlessness in Scottish Deerhounds: a candidate gene for human alopecia conditions. Human Genetics 138(5):535-539.
- Venturo R, Ferrer L, Bernard P, Guenova E, Delverdier M, Cadiergues MC, Combarros D (2025). Putative erythema annulare centrifugum in two Peruvian hairless and one Chinese crested dog. Veterinary Dermatology 36(5):712-718.
- Leeb T (2012). Animal models of ectodermal dysplasia. Head & Face Medicine 8(Suppl 1):I9.
- Online Mendelian Inheritance in Animals (OMIA). OMIA:000323-9615 Ectodermal dysplasia in Canis lupus familiaris (dog). University of Sydney. doi:10.25910/2AMR-PV70.
- Fédération Cynologique Internationale. FCI-Standard No. 310 Perro sin pelo del Perú (Peruvian hairless dog) (EN, 26.10.2021; official valid standard published 15.09.2021).
- Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht (BMELF, 1999). Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen), section 2.1.1.1.6 Haarlosigkeit (Nackt).
- Germany. Tierschutzgesetz § 11b (Verbot von Qualzüchtungen); Tierschutz-Hundeverordnung § 10 (Ausstellungsverbot). gesetze-im-internet.de.
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) (2024-04-03). (Kurz-)Stellungnahme des VDH zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes (Merkmalskatalog).
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Kanine ektodermale Dysplasie / Haarlosigkeit (FOXI3) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.
In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
Sorgen um die Gesundheit Ihres Tieres? — Sprechen Sie mit einer Tierärztin/einem Tierarzt
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Bundestierärztekammer — Tierarztsuche
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