Lafora-Krankheit beim Rauhaarzwergteckel (NHLRC1): 31,9 % Träger — und was ein Gentest daran ändert

Rauhaarzwergteckel Deutsch

Fazit: Die Lafora-Krankheit beim Rauhaarzwergteckel ist die am besten dokumentierte Erbkrankheit dieser Art beim Hund überhaupt — an genau dieser Rasse wurde die Ursache 2005 entdeckt (Lohi et al., Science): eine Dodecamer-Expansion (12-Basen-Wiederholung) im Gen NHLRC1. Gesunde Hunde tragen 2–3 Kopien dieser Wiederholung, betroffene 19–26. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv: Träger mit einer Kopie erkranken nicht. Wie häufig das ist, wurde tatsächlich gemessen — und die Zahlen sind unbequem: In einem landesweiten britischen Testprogramm mit 733 Rauhaarzwergteckeln waren 31,9 % Träger und 7,0 % betroffen (Ahonen et al., 2018). Die gute Nachricht steht in derselben Arbeit: Nachdem der britische Kennel Club den Test 2014 für seine „Assured Breeders” verpflichtend machte, stieg der Anteil sicherer Verpaarungen von 45 % auf 92,1 %. Der Krankheitsbeginn liegt im mittleren bis höheren Alter (Mittel 6,94 Jahre), und das erste Zeichen ist fast immer Myoklonus — ein kurzes Zucken bei vollem Bewusstsein —, nicht der große Krampfanfall. Für Deutschland praktisch entscheidend: Der Direkttest bei Laboklin verlangt EDTA-Blut, ausdrücklich keine Wangenabstriche — der Weg führt also über die Tierarztpraxis. Wenn Ihr Teckel mit dem Kopf zuckt, auf flackerndes Licht panisch reagiert oder Erlerntes verlernt: bitte tierärztlich abklären lassen, möglichst in einer Praxis oder Klinik mit Neurologie. Dieser Text ist Information und ersetzt keine Diagnose.

Was die Lafora-Krankheit ist — und warum „Epilepsie” der falsche Kopf im Kopf ist

Diese Seite enthält Affiliate-Werbung. Sie ist eine informative Zusammenfassung veröffentlichter, begutachteter Evidenz und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Bei Symptomen oder Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte stets an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
LenaLenaMein Teckel zuckt beim Einschlafen. Ist das nicht einfach das Alter? Jonas ReuterJonas ReuterNicht vorschnell. Bei Swain et al. (2017) war genau dieses Einschlafzucken bei 51,9 % das erste Zeichen.

Wer „Lafora” hört und an Epilepsie denkt, sucht an der falschen Stelle. Es handelt sich im Kern um eine Glykogenspeicherkrankheit; die Anfälle sind die Folge, nicht die Ursache.

Normalerweise wird Glykogen in löslicher, gut verzweigter Form gespeichert und steht bei Bedarf sofort zur Verfügung. Fällt NHLRC1 (auch EPM2B genannt) aus, entsteht stattdessen ein fehlgebautes, unlösliches Polyglucosan. Es lagert sich in Nervenzellen, Muskulatur und Leber zu den sogenannten Lafora-Körperchen zusammen und schädigt die Zellen fortschreitend.

Der genetische Mechanismus ist bemerkenswert. Lohi et al. (2005) zeigten, dass das Hunde-NHLRC1-Gen eine 12-Basen-Tandemwiederholung enthält, die es im menschlichen Gen nicht gibt. Solche Repeats sind instabil: Sie können sich beim Kopieren verlängern. Deshalb muss die Mutation nicht von einem einzigen alten Gründertier stammen — sie kann in einer Rasse neu entstehen.

Genau das beobachtet die Literatur. von Klopmann et al. (2021, Life) ergänzten Französische Bulldogge, Brüsseler Griffon und einen Mischling und folgerten, die Anfälligkeit sei „ein Problem der gesamten Spezies, das wahrscheinlich spontan in vielen Rassen und sogar bei Mischlingen auftreten wird”. In OMIA stehen inzwischen unter anderem Basset Hound, Beagle, Chihuahua, Rauhaarzwergteckel, Französische Bulldogge, Neufundländer, Welsh Corgi Pembroke, Pointer und Pudel.

Warum ausgerechnet der Rauhaarzwergteckel — und warum das ein Vorteil ist

Der Rauhaarzwergteckel ist die Rasse, an der alles begann. Lohi et al. identifizierten die Repeat-Expansion 2005 an dieser Rasse; die klinische Beschreibung und die Populationsdaten stammen ebenfalls überwiegend von ihr. Für Teckelbesitzerinnen und -besitzer ist das paradoxerweise eine gute Nachricht: Sie sind die Einzigen, die belastbare Zahlen haben.

Vergleichen Sie den Kenntnisstand:

  • Rauhaarzwergteckel: ein landesweites Testprogramm mit 733 Hunden (Ahonen et al., 2018) und eine klinische Serie mit 27 Hunden (Swain et al., 2017).
  • Beagle: 28 Hunde (Flegel et al., 2021) und 166 genotypisierte Hunde (Flegel et al., 2024).
  • Welsh Corgi Pembroke, Chihuahua, Neufundländer: jeweils ein einzelner Fallbericht.

Wo andere Rassen raten müssen, kann man beim Teckel rechnen — und daraus folgt eine konkrete Handlungsempfehlung statt eines vagen Hinweises.

Die Zahlen aus 733 getesteten Hunden

Ahonen et al. (2018, Canine Genetics and Epidemiology) werteten 733 Rauhaarzwergteckel aus, davon 548 aus Großbritannien. Ergebnis:

  • Träger: 31,9 % (234 von 733)
  • Betroffen (homozygot): 7,0 % (51 von 733)
  • Frei: 61,1 % (448 von 733)
  • Frequenz des mutierten Allels: 0,2
  • Britische Teilgruppe: 35,2 % Träger, 7,1 % betroffen

Sieben Prozent betroffene Hunde in einer Rasse sind kein Randphänomen. Doch die eigentliche Botschaft der Arbeit ist die Wirkung des Gegenmittels. Nachdem der britische Kennel Club den Test 2014 für „Assured Breeders” verpflichtend gemacht hatte, veränderte sich zwischen 2012 und 2017 Folgendes:

  • Der Anteil sicherer Würfe — also solcher, aus denen keine betroffenen Welpen hervorgehen können — stieg von 45 % auf 92,1 %.
  • Die Trägerfrequenz unter getesteten Hunden sank von 41,5 % auf 25,7 %.

Die Autorinnen und Autoren fassen zusammen: „Der DNA-Test ist ein nützliches Werkzeug für Züchter, um das Auftreten der Lafora-Krankheit zu verhindern.” Bemerkenswert ist, wie das gelang: nicht durch das Ausschließen von Trägern, sondern durch informierte Partnerwahl im großen Maßstab.

Wie die Krankheit verläuft — die Reihenfolge zählt

LenaLenaWoran genau merke ich denn den Anfang? Jonas ReuterJonas ReuterAm Zucken. Bei Flegel et al. (2021) begannen 100 % der Hunde damit — nur 82 % bekamen je einen großen Anfall.

Swain et al. (2017, PLoS One) beschrieben 27 Rauhaarzwergteckel (16 Hündinnen, 11 Rüden). Durchschnittlicher Beginn: 6,94 Jahre (3,5–12), Median 7 Jahre.

Erste Zeichen:

  • Reflexartiger und spontaner Myoklonus: 77,8 %
  • Hypnischer Myoklonus (Zucken beim Einschlafen): 51,9 %
  • Generalisierte tonisch-klonische Anfälle: 40,7 %
  • Kieferschlagen: 33,3 % · „Fliegenschnappen”: 22,2 % · fokale Anfälle: 25,9 %
  • Panikartige Episoden: 25,9 %

Später kommen hinzu: Demenz 51,9 %, Erblindung 48,1 %, Aggression gegenüber Menschen 25,9 % und Hunden 33,3 %, Taubheit 29,6 %, Kot- und Harninkontinenz 29,6–37 %. Die Arbeit hält fest, dass die Symptome „an Häufigkeit und Intensität zunehmen” und der Myoklonus zunehmend behandlungsresistent wird.

Am schwersten wog für die Halterinnen und Halter etwas, das in keiner Statistik gut aussieht: die vermuteten Panikattacken. Betroffene Hunde konnten wegen der Fluchtreaktion nicht mehr sicher ohne Leine geführt werden.

Die deutschsprachige Forschung liefert das Gegenstück beim Beagle: Flegel et al. (2021) sammelten an neun Überweisungskliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz 28 Fälle. Beginn im Median mit 8,3 Jahren; alle begannen mit Myoklonus; 82 % entwickelten generalisierte Anfälle, davon 43 % erst nach durchschnittlich 14,2 Monaten. Ataxie 84 %, Sehstörung 58 %, Hörverlust 50 %, Lichtempfindlichkeit 77 %, Stubenreinheit verloren 32 %. Die zum Studienende lebenden Hunde waren im Mittel 11,9 Jahre alt — die Krankheit kostet vor allem Lebensqualität, weniger Lebenszeit.

Merken Sie sich die Reihenfolge: Das Zucken kommt zuerst und kann dem ersten großen Anfall um über ein Jahr vorausgehen.

Myoklonus oder Anfall? Was Sie in der Praxis berichten sollten

Sie sollen nicht diagnostizieren — Sie sollen präzise beschreiben, denn im Sprechzimmer wird sich das Ereignis nicht wiederholen.

  • Myoklonus: Bruchteil einer Sekunde. Kopf, Hals oder Rumpf zuckt ruckartig. Das Bewusstsein bleibt erhalten, der Hund ist sofort wieder normal und reagiert auf Ansprache. Auslöser sind oft Licht, Geräusche oder Bewegung; oder es tritt beim Einschlafen auf.
  • Generalisierter tonisch-klonischer Anfall: Sekunden bis Minuten. Der Hund stürzt, versteift sich, rudert rhythmisch. Das Bewusstsein ist erloschen. Speicheln und Einkoten/-nässen sind häufig, danach folgt eine desorientierte Phase.

Filmen Sie es. 10 bis 20 Sekunden, der ganze Hund im Bild, mit Ton — und ändern Sie die Beleuchtung nicht, um ein besseres Bild zu bekommen: Das Licht kann der Auslöser sein. Notieren Sie Uhrzeit, ob der Hund gerade einschlief, und was vorausging (Fernseher, Türklingel, Sonnenlicht durch Jalousien).

Sofort tierärztliche Hilfe suchen, wenn: ein Anfall länger als fünf Minuten dauert; Anfälle sich wiederholen, ohne dass der Hund dazwischen zu Bewusstsein kommt; mehrere Anfälle an einem Tag auftreten; oder es der erste Anfall überhaupt ist. Außerhalb der Sprechzeiten greift in Deutschland der tierärztliche Notdienst; die zuständige Tierärztekammer bzw. Ihre Praxis nennt die aktuelle Notdienstregelung. Klären Sie das jetzt, nicht während des Anfalls — und bedenken Sie, dass seit der Novelle der Gebührenordnung für Tierärzte Notdienstleistungen mit einer gesonderten Notdienstgebühr abgerechnet werden.

Testen in Deutschland: Blut statt Wangenabstrich

Hier unterscheidet sich der deutsche Markt deutlich vom angelsächsischen, wo Heimtests dominieren. Der praktisch wichtigste Anbieter sitzt in Deutschland — und stellt eine Bedingung, die den ganzen Ablauf bestimmt.

Laboklin (Bad Kissingen) bietet den Direkttest auf die NHLRC1-Mutation an. Auf der Produktseite steht:

  • Probenmaterial: EDTA-Blut 0,5–1 ml — „no cheek swabs!” Wangenabstriche werden ausdrücklich nicht akzeptiert.
  • Erbgang: autosomal-rezessiv.
  • Gelistete Rassen: unter anderem Basset Hound, Beagle, Cardigan Welsh Corgi, Chihuahua, Dackel (Kurzhaar, Langhaar und Rauhaar), Französische Bulldogge, Neufundländer, Welsh Corgi Pembroke.
  • Einsendung über die Tierarztpraxis.

Praktisch heißt das: Es gibt keinen Küchentisch-Weg. Sie brauchen einen Termin zur Blutentnahme. Nennen Sie beim Vereinbaren des Termins ausdrücklich den Grund („Gentest Lafora, NHLRC1″), damit das passende Röhrchen und der Einsendebogen bereitliegen.

Eine Alternative innerhalb der EU mit anderem Zuschnitt ist Genomia in Pilsen (Tschechien): Halterinnen und Halter können direkt bestellen, es werden Wangenabstrich-Sets angeboten, und Preis sowie Bearbeitungszeit stehen auf der Testseite. Für wen der Weg über die Praxis eine Hürde ist, ist das eine ernsthafte Option; für Zuchtzwecke sollten Sie vorab klären, ob Ihr Zuchtverein Ergebnisse dieses Labors anerkennt.

Ein Wort zu Heimtest-Panels: Der am weitesten verbreitete angelsächsische Anbieter meldet Lafora als Kopplungstest — er liest also nicht die NHLRC1-Expansion selbst, sondern schließt aus benachbarten Markern. Der Anbieter empfiehlt selbst, den Status vor Zuchtentscheidungen mit einem Direkttest zu bestätigen — und nennt dafür ausdrücklich Laboklin. Für die Zucht ist ein Kopplungsergebnis nicht ausreichend.

Das Ergebnis lesen: Träger erkranken nicht

  • Homozygot betroffen (2 Kopien): Es ist damit zu rechnen, dass der Hund im Lauf seines Lebens Symptome entwickelt.
  • Heterozygot / Träger (1 Kopie): Erkrankt an diesem Gen nicht. Ein normaler Familienhund — die Information ist ausschließlich für die Zucht relevant.
  • Frei (0 Kopien).

Träger × Träger ergibt rund 25 % betroffene Welpen. Träger × frei ergibt keine betroffenen Welpen. Deshalb ist der pauschale Zuchtausschluss von Trägern beim Teckel meist der falsche Weg: Er verengt den Genpool, obwohl die richtige Partnerwahl das Problem vollständig löst. Genau dieses Prinzip steht hinter dem britischen Sprung von 45 % auf 92,1 % sichere Würfe.

Und die stehende Einschränkung: Ein Genotyp ist keine Diagnose. Ein Befund „betroffen” sagt nichts über Zeitpunkt oder Schwere; ein Hund mit Zuckungen gehört unabhängig vom Laborbefund neurologisch untersucht. Umgekehrt schließt ein negativer Direkttest diese eine Variante aus, nicht jede Ursache von Zuckungen und Anfällen.

Für Züchterinnen und Züchter: § 11b TierSchG ist keine Formalie

In Deutschland hat der Test eine Dimension, die er in vielen anderen Ländern nicht hat. § 11b des Tierschutzgesetzes — der sogenannte Qualzucht-Paragraph — untersagt es, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Ob eine bestimmte Erkrankung darunter fällt, ist eine Frage des Einzelfalls.

Bei einer rezessiven Erbkrankheit mit verfügbarem Direkttest und publizierter Rassefrequenz liegt der Schluss nahe: Wer zwei ungetestete Rauhaarzwergteckel verpaart, obwohl in dieser Rasse — wenn auch in einer britischen Erhebung — 31,9 % Träger gemessen wurden, kann sich schwerer darauf berufen, mit betroffenen Nachkommen nicht gerechnet haben zu können. Der Test ist damit nicht nur züchterische Sorgfalt, sondern Teil der Dokumentation, dass diese Sorgfalt eingehalten wurde. Rechtsverbindliche Auskunft erteilen allerdings nur das zuständige Veterinäramt und gegebenenfalls juristischer Rat — dieser Text ersetzt beides nicht.

In Österreich und der Schweiz gilt Sinngemäßes über die jeweils eigenen Regelwerke: In Österreich greift das Tierschutzgesetz mit seinen Qualzuchtbestimmungen, zuständig ist die Bezirksverwaltungsbehörde, züchterischer Ansprechpartner ist der ÖKV; in der Schweiz regelt die Tierschutzverordnung die Zucht, Ansprechpartner sind das kantonale Veterinäramt und die SKG. Die Laborwege sind dieselben — Laboklin und Genomia versenden EU-weit bzw. in die Schweiz; klären Sie bei Sendungen in die und aus der Schweiz vorab die Zollformalitäten.

Organisatorisch führt der Weg über den Zuchtverband: Der Deutsche Teckelklub 1888 e. V. ist der für die Rasse zuständige, dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossene Verein. Welche Gesundheitsuntersuchungen die jeweils gültige Zuchtordnung verlangt, ändert sich und sollte direkt beim Verein erfragt werden — genauso wie die Frage, welche Labore anerkannt werden. Wer einen Welpen sucht, sollte umgekehrt nach den Befunden beider Elterntiere fragen: Ist ein Elternteil frei, kann kein Welpe betroffen sein.

Behandlung und Pflege: Was sich bewährt hat — und was nicht

LenaLenaHilft eine kohlenhydratarme Diät, wie man oft liest? Jonas ReuterJonas ReuterDa ist Vorsicht geboten. Swain et al. (2017) fanden in der Langzeitbeobachtung keine Verzögerung des Beginns.

Eine Heilung gibt es nicht. Ziel sind Symptomkontrolle und Lebensqualität. Das Folgende ist eine Zusammenfassung publizierter Berichte; über Medikamente entscheidet ausschließlich die Tierärztin oder der Tierarzt, und frei verkäufliche Präparate sollten nicht in Eigenregie begonnen werden.

Als hilfreich berichtet:

  • Levetiracetam. Swain et al. (2017) fanden es „besonders wirksam zur Reduktion des Myoklonus in der frühen Krankheitsphase”. Flegel et al. (2021) sahen unter Levetiracetam und Piracetam bei einigen Hunden subjektive Besserung — halten aber zugleich fest, dass kein eindeutiger Nachweis für eine zuverlässige Verringerung der Myoklonus-Frequenz erbracht wurde. Für Anfälle wurden zusätzlich Phenobarbital und Zonisamid eingesetzt.
  • Lichtmanagement. Gegen lichtinduzierten Myoklonus nennen Swain et al. ausdrücklich Hundesonnenbrillen. Alltagstauglich sind Jalousien, das Vermeiden stark flackernder Bildschirminhalte und das Umgehen von starkem Hell-Dunkel-Wechsel unter Bäumen.
  • Angstlösende Medikamente wie Alprazolam wurden bei den panikartigen Episoden eingesetzt.
  • Umfeld anpassen, weil Sehen und Hören nachlassen: Möbel nicht umstellen, Treppen sichern, Liegeplatz bei Inkontinenz umrüsten. Und die Konsequenz aus dem Befund von Swain et al.: Freilauf ohne Leine ist für betroffene Hunde nicht mehr sicher.

Nicht bestätigt:

  • Diät. Kohlenhydratarme und antioxidantienreiche Fütterung klingt plausibel und wird häufig empfohlen. Swain et al. (2017) formulieren es unmissverständlich: Die längerfristige Beobachtung lege nahe, dass eine solche Fütterung den Krankheitsbeginn nicht verzögert. Wenn Ihnen ein Futter oder Ergänzungsmittel als Vorbeugung gegen die Lafora-Krankheit verkauft wird, ist diese Aussage durch die publizierte Nachbeobachtung nicht gedeckt.

Häufige Fragen

Q. Wie häufig ist die Lafora-Krankheit beim Rauhaarzwergteckel wirklich?
Sie gehört zu den wenigen Erbkrankheiten mit einer gemessenen Rassefrequenz. Ahonen et al. (2018) testeten 733 Rauhaarzwergteckel: 31,9 % Träger, 7,0 % homozygot betroffen, 61,1 % frei; in der britischen Teilgruppe 35,2 % Träger und 7,1 % betroffen. Diese Zahlen stammen allerdings aus einem britischen Testprogramm; für den deutschsprachigen Zuchtbestand liegt keine eigene publizierte Erhebung vor. Als Größenordnung sind sie dennoch das Beste, was verfügbar ist — und sie sind hoch genug, um Tests vor der Verpaarung zu rechtfertigen.

Q. Kann ich den Test mit einem Wangenabstrich zu Hause machen?
Bei Laboklin nicht: Die Produktseite verlangt EDTA-Blut (0,5–1 ml) und schließt Wangenabstriche ausdrücklich aus („no cheek swabs!”). Sie brauchen also einen Termin zur Blutentnahme, und die Einsendung läuft über die Praxis. Das EU-Labor Genomia in Tschechien bietet dagegen Abstrich-Sets an und lässt Direktbestellungen durch Halterinnen und Halter zu. Wenn das Ergebnis für die Zucht verwendet werden soll, klären Sie vorher mit Ihrem Zuchtverein, welche Labore anerkannt werden.

Q. Mein Teckel ist Träger. Wird er krank?
Nein. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv — nur Hunde mit zwei Kopien der Expansion erkranken. Ein Träger bleibt zeitlebens gesund, was dieses Gen betrifft, und braucht keinerlei Einschränkung im Alltag. Bedeutung hat der Befund nur in der Zucht: Träger × Träger ergibt etwa 25 % betroffene Welpen, Träger × frei dagegen keine.

Q. Darf ich mit einem Träger in Deutschland überhaupt züchten?
Die Verpaarung Träger × frei kann keine betroffenen Welpen hervorbringen und ist deshalb genau die Konstellation, mit der das britische Programm die Rasse saniert hat, ohne den Genpool zu verengen. Problematisch ist die ungetestete oder die Träger × Träger-Verpaarung: § 11b TierSchG untersagt Zucht, wenn mit erblich bedingten Leiden bei den Nachkommen zu rechnen ist. Verbindlich äußern können sich dazu nur das zuständige Veterinäramt und Ihr Zuchtverein — fragen Sie dort nach der geltenden Zuchtordnung.

Q. Mein Hund ist neun und zuckt seit Kurzem. Lohnt der Test noch?
Ja, wenn auch aus anderen Gründen als beim Welpen. Bei einem älteren Hund mit Symptomen ergänzt der Direkttest das diagnostische Bild, das die Tierärztin oder der Tierarzt zusammensetzt, und kann eine längere Abklärung abkürzen. Außerdem betrifft das Ergebnis die Verwandtschaft: Vollgeschwister eines betroffenen Hundes haben eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, Träger zu sein. Was der Test nicht leistet: die Prognose ändern oder die neurologische Untersuchung ersetzen.

Q. Verkürzt die Krankheit das Leben meines Hundes?
Weniger, als man erwartet — und das ist der eigentlich schwierige Teil. Bei Flegel et al. (2021) waren die zum Studienende noch lebenden Hunde im Mittel 11,9 Jahre alt. Die Belastung liegt in der Lebensqualität: Swain et al. beschreiben zunehmende, therapieresistente Myoklonien, Demenz (51,9 %), Erblindung (48,1 %), Taubheit (29,6 %) und Inkontinenz. Die Halterinnen und Halter empfanden die panikartigen Episoden als am belastendsten. Entscheidungen über den weiteren Weg sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt und mit Blick auf die Lebensqualität treffen.

Bildnachweis: Wild boar coloured wire-haired dachshund von Xpicto, CC BY-SA 4.0 (mittig auf 1200×630 zugeschnitten)

Literatur

So lassen Sie Ihr Tier testen

Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Lafora-Krankheit (NHLRC1) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).

Innerhalb der EU / in Deutschland

Wisdom Panel Premium
🌐 Servicegebiet: USA, Kanada & UK (regionale Labore); Kontinentaleuropa unbestätigt
Lafora-Krankheit (NHLRC1):✅ Ja
Cheek swab; 265+ conditions including MDR1 and DM (SOD1). Lafora disease is reported as a LINKAGE test (marker-based prediction, not the NHLRC1 repeat itself) — the company itself advises confirming with a direct test before breeding decisions.
Orivet
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Standalone tests incl. MDR1 (ivermectin sensitivity) and Degenerative Myelopathy (DM). GenoPet kit also on Amazon.
WSU PrIMe / VCPL (discovered MDR1)
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Dr. Mealey’s lab — the group that discovered ABCB1-1Δ. Direct-to-owner MDR1 test. DM: verify.
Wisdom Panel Premium
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Wangenabstrich; Panel inkl. MDR1. Auch bei Amazon.de (Wisdom Panel Essential) erhältlich.
Feragen
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Österreich (Marke dna-test-hund.de für DE). MDR1-Defekt einzeln oder im Rassetest. DM: bitte prüfen.
Laboklin
🌐 Servicegebiet: EU-Labornetz + UK (andere Regionen im Einzelfall)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):✅ Ja
Fachlabor. MDR1-Genvariante sowie DM (beide SOD1-Varianten c.118G>A / c.52A>T, u. a. Berner Sennenhund). Einsendung über die Tierarztpraxis.
Genomia
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):✅ Ja
Labor in Pilsen (Tschechien), EU. Einzeltest auf die NHLRC1-Lafora-Mutation, für zwölf Rassen gelistet (u. a. Rauhaarzwergteckel, Beagle, Basset Hound, Chihuahua, Welsh Corgi). Direktbestellung durch Halterinnen und Halter möglich; Wangenabstrich-Kits werden angeboten. Preis und Bearbeitungszeit auf der Testseite.

Außerhalb der EU

Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.

Embark (Breed + Health)
🌐 Servicegebiet: US/Kanada/EU/UK/Australien (US-Labor; international zahlt Rückporto selbst)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Cheek swab; multi-condition health panel that includes MDR1 and DM (SOD1). Also on Amazon (US health kit; JP = parallel-import).
Paw Print Genetics
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Clinical-grade lab; standalone MDR1. Other conditions incl. DM: verify on the product page.
LabGenVet (Canada)
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Lafora-Krankheit (NHLRC1):✅ Ja
Canadian veterinary genetics lab. Direct NHLRC1 Lafora test listed for Beagle, Chihuahua, Miniature Wirehaired Dachshund, Newfoundland and Pembroke Welsh Corgi. Mail-in; confirm sample type and international shipping with the lab.

In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)

Pontely Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Heim-Abstrich-Hunde-DNA-Dienst aus Japan; deckt u. a. MDR1 und PRA ab. Weitere Varianten: nicht offiziell angegeben (prüfen). Dienst für Japan — außerhalb bitte Versand bestätigen.
Kahotechno DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
VEQTA Hunde-Erbkrankheiten-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Amanecer DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Universität Gifu / Kagoshima — DM (SOD1)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan, über Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Anicom DM (SOD1)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Orivet Japan — Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Japan & Asien (Probe geht an das Labor in Japan)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
amomag — Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
AIRDEC mini — Lafora-(Epm2b)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan, über Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt
Verfügbar in: Japan
Lafora-Krankheit (NHLRC1):✅ Ja
Japanisches Labor mit Einzeltest auf Epm2b (NHLRC1); nur Vollblut (keine Wangenabstriche), Einsendung über eine Tierarztpraxis in Japan.
Basepaws Dog DNA
🌐 Servicegebiet: Praktisch nur USA (international: Rückversand ans US-Labor selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Dog health panel includes MDR1. DM (SOD1): verify on the product page. Also on Amazon.
UC Davis VGL (dog)
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
University lab; standalone MDR1 and DM (SOD1) tests, owner-orderable.
Breedwise DNA
🌐 Servicegebiet: International auf Anfrage (Versand je nach Land)
Verfügbar in: USA
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Standalone MDR1 oral swab (US). DM: verify on the product page.
OFA / University of Missouri
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
The originating DM lab (Awano 2009). SOD1 c.118G>A test; result = risk class, not a diagnosis. MDR1: verify.
GLBizzia Haustier-DNA-Test (China)
🌐 Servicegebiet: Nur China (international unbestätigt)
Verfügbar in: China
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
Urban Animal (India)
🌐 Servicegebiet: Nur Indien (Ausland auf Anfrage)
Verfügbar in: Indien
Lafora-Krankheit (NHLRC1):❓ Unbestätigt
India-based broad panel (130+ conditions); MDR1 / DM not explicitly published — verify.

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Über den Autor

Jonas Reuter

Jonas Reuter

Redaktion & Text (kein Tierarzt)

Autor mit molekularbiologischem Hintergrund und langjähriger Hunde- und Katzenhalter. Kein Tierarzt – er übersetzt begutachtete Genetik-Forschung und Primärdaten in verständliche Sprache, stets als Information und nicht als Diagnose.